Werbung: Mit * markierte Links sind Partnerlinks zu Amazon. Kaufst du darüber, erhalten wir eine Provision, für dich ändert sich der Preis nicht.
Playseat selber bauen – Bauanleitung mit Fotos
In dieser Anleitung zeige ich dir, wie ich meinen Playseat selbst gebaut habe. Ich gehe auf die wichtigsten Fragen ein und habe versucht, kein Detail auszulassen. Sicher lässt sich hier und da noch etwas verbessern, im Vordergrund stand der Spaß. Die Anleitung hat sechs Kapitel.
1. Vorbereitung
Bevor du loslegst, mach dir einen Plan und beantworte diese Fragen:
- Wie soll der Rennsitz aussehen?
- Welche Materialien möchte ich verwenden?
- Wie viel Aufwand möchte ich in den Bau stecken?
- Brauche ich einen verstellbaren Sitz?
Als Erstes habe ich eine Skizze gezeichnet, wie der Playseat aussehen soll. Das Bild zeigt meine Originalzeichnung. Als Vorbild diente mir ein anderer selbst gebauter Playseat, den ich auf einem Foto im Internet gefunden hatte (die Quelle habe ich leider nicht mehr).
Die Fragen habe ich für mich so beantwortet:
1.1 Wie soll der fertige Rennsitz aussehen?
Siehe Skizze: Ich habe mir im Internet ein ähnliches Modell ausgesucht und nachgezeichnet. Wichtig war mir, dass keine Stange zwischen den Beinen verläuft. Deshalb habe ich eine Bauform gewählt, bei der die Lenkradhalterung hinter den Pedalen endet, wie bei einigen fertigen Fahrsimulator-Cockpits. Bei den meisten fertigen Playseats sitzt die Lenkradhalterung dagegen zwischen den Beinen, etwa beim Playseat Evolution. Im Nachhinein hat sich gezeigt, dass mich eine solche Halterung nicht stört.
1.2 Welche Materialien möchte ich verwenden?
Zur Wahl standen Stahl, Aluminium und Holz. Ich wollte einen stabilen, belastbaren Playseat und habe mich für ein Gerüst aus Stahl entschieden. Stahl ist im Vergleich zu Holz nahezu unverwüstlich und lässt sich leichter schweißen als Aluminium. Für Aluminium braucht man ein spezielles Schweißgerät, das den Rahmen des Projekts gesprengt hätte. Aluminium zu verschrauben wäre möglich gewesen, das war mir aber zu unflexibel. Außerdem sieht ein geschweißter Rahmen besser aus, und das Schweißen macht Spaß.
1.3 Wie viel Aufwand möchte ich reinstecken?
Spaß und Ergebnis waren mir wichtiger als die Kosten, eine möglichst kurze Bauzeit war kein Ziel. Geplant hatte ich höchstens 20 Stunden. Weil ich sehr perfektionistisch bin, hat der Eigenbau am Ende gut 30 Stunden gedauert.
1.4 Brauche ich einen verstellbaren Sitz?
Ja, das war mir besonders wichtig. Der Sitz sollte nicht nur für mich passen, sondern auch für Freunde, die zu Besuch kommen und unterschiedlich groß sind. Deshalb sollte der Rennsitz in Höhe und Länge verstellbar sein.
2. Einkauf von Material und Werkzeug
Für den Rennsitz brauchst du einige wenige Werkzeuge und etwas Material. Hier stelle ich dir vor, was ich verwendet habe, und nenne Beispiele, die es heute zu kaufen gibt.
2.1 Werkzeug: Winkelschleifer und Schweißgerät
Das Werkzeug haben viele Hobbyhandwerker schon zu Hause: vor allem einen Winkelschleifer (umgangssprachlich „Flex“) und ein Schweißgerät. Ich hatte beides schon und musste nichts neu kaufen. Falls dir etwas fehlt: Geeignet ist ein Winkelschleifer für Scheiben mit 125 mm Durchmesser, zum Beispiel der Bosch-Winkelschleifer GWS 12-125*, und ein kompaktes Elektrodenschweißgerät (Inverter), zum Beispiel das GYS GYSMI 160P*. Für die Löcher der Sterngriffschrauben brauchst du außerdem eine Bohrmaschine mit Metallbohrern.
2.2 Material
2.2.1 Sitz
Das Wichtigste am Playseat ist, wie der Name schon sagt, der Sitz. Ich habe mir einen handelsüblichen Sportsitz gekauft und dabei auf vier Punkte geachtet: Optik, Komfort, Material und Funktion. Über die Optik lässt sich streiten. Beim Komfort wollte ich das Gefühl haben, in einem echten Rennsitz zu sitzen. Als Bezug kam für mich nur Kunstleder in Frage. Am wichtigsten war mir die Funktion, also die Verstellmöglichkeiten, vor allem eine verstellbare Rückenlehne: Jeder bevorzugt eine andere Sitzposition, und bei einem langen Rennen tut es gut, die Position zwischendurch zu ändern.
2.2.2 Zubehör für Winkelschleifer und Schweißgerät
Für den Winkelschleifer brauchst du Trennscheiben für Stahl, zum Beispiel PFERD-Trennscheiben 125 × 1,0 mm, 10 Stück*. Ich bevorzuge extradünne Scheiben (1,0 mm) mit großem Durchmesser (125 mm), weil man damit feiner arbeiten kann. Dazu kommt eine Fächerschleifscheibe, mit der du die Schweißnähte später sauber abschleifst, zum Beispiel ein Bosch-Set Fächerschleifscheiben 125 mm für Stahl*.
Für das Elektrodenschweißgerät brauchst du passende Elektroden. Ich habe 2,0 mm dicke und 300 mm lange Elektroden im Baumarkt gekauft. Online gibt es sie zum Beispiel als GYS-Rutil-Elektroden 2 mm, 50 Stück*.
2.2.3 Rahmen aus Vierkantrohr
Für den Rahmen aus Stahl brauchst du Rechteckrohre (Vierkantrohre). Ich habe im Baumarkt ausprobiert, welche Profile am besten ineinanderpassen, und mich für 40 × 25 × 2 mm entschieden, zum Beispiel als Stahl-Rechteckrohr 40 × 25 × 2 mm, 2 m*. Als Schiene für die Verstellung dient das nächstkleinere Rohr mit 35 × 20 mm, das im großen Rohr läuft.
Wichtig: Ich hatte für die Schiene Rohr mit 1,5 mm Wandstärke genommen. Im Nachhinein wäre die Variante mit 2 mm besser gewesen, zum Beispiel Rechteckrohr 35 × 20 × 2 mm, 1 m*, denn das dünne Material machte beim Schweißen Probleme. Die beiden Profile passen gut zusammen (siehe Bild), das Spiel von etwa 1 mm war ideal. Vom großen Rohr brauchst du etwa 4 m, vom kleinen innenliegenden Rohr etwa 2 m.
2.2.4 Kleinteile und Lack
Außerdem brauchst du einige Kleinteile: Sechskantschrauben (10 × M14, 30 mm), Muttern (8 × M14), Sterngriffschrauben (4 × M14), Rohrstopfen für die offenen Rohrenden (8 Stück), Schleifpapier (Körnung 400 und 2000), Grundierung (1 Sprühdose), Lack (2 Sprühdosen, bei mir schwarz glänzend) und eine Gripzange als Helfer beim Schweißen. Für die Sitzauflage und die Lenkradplatte kommt noch etwas dünnes Stahlblech dazu.
2.3 Einkaufsliste
Hier ist alles noch einmal zusammengefasst. Die verlinkten Produkte sind Beispiele, vieles bekommst du genauso im Baumarkt. Preise ändern sich, den aktuellen Preis siehst du bei Amazon.
| Artikel | Menge und Ausführung | Beispiel / Bezug |
|---|---|---|
| Sportsitz (Rennsitz) | 1 Stück, mit verstellbarer Rückenlehne | Kfz-Zubehör |
| Elektrodenschweißgerät | kompakt, Inverter | GYS GYSMI 160P* |
| Elektroden | Rutil, 2,0 mm | GYS Rutil 2 mm, 50 Stück* oder Baumarkt |
| Winkelschleifer | für 125-mm-Scheiben | Bosch GWS 12-125* |
| Trennscheiben | 125 × 1,0 mm, für Stahl | PFERD, 10 Stück* |
| Fächerschleifscheibe | 125 mm, für Stahl | Bosch-Set, 15 Stück* |
| Rechteckrohr groß | 40 × 25 × 2 mm, etwa 4 m | Stahlrohr 2 m* (2 Stück) oder Baumarkt |
| Rechteckrohr klein | 35 × 20 × 2 mm, etwa 2 m | Stahlrohr 1 m* (2 Stück) oder Baumarkt |
| Rohrstopfen (Lamellenstopfen) | 40 × 25 mm, 8 Stück | emico, 10 Stück* |
| Sechskantschrauben | 10 × M14, 30 mm | Baumarkt |
| Muttern | 8 × M14 | Baumarkt |
| Sterngriffschrauben | 4 × M14 | Baumarkt |
| Stahlblech | dünn, für Sitzauflage und Lenkradplatte | Baumarkt |
| Schleifpapier | Körnung 400 und 2000 | Baumarkt |
| Grundierung | 1 Sprühdose | Baumarkt |
| Sprühlack | 2 Sprühdosen | Baumarkt |
| Gripzange | 1 Stück | GEDORE Gripzange* |
3. Zuschneiden und Schweißen
3.1 Vierkantrohre ausmessen und zuschneiden
Als Nächstes werden die Vierkantrohre zugeschnitten und miteinander verschweißt. Ich habe nach der Skizze und nach Augenmaß zugeschnitten und möchte dir deshalb keine strikten Maße vorgeben. Die Zeichnung unten zeigt, wie das Gerüst aufgebaut ist: links der Bodenrahmen von oben, rechts die Halterung für Lenkrad und Pedale von der Seite. Die roten Punkte markieren die Sterngriffschrauben, mit denen du Länge und Höhe verstellst.
Die Rohre habe ich mit dem Winkelschleifer und einer Trennscheibe geschnitten. Mach das im Freien und dort, wo die Funken keinen Schaden anrichten können.
Für das Verbindungsstück vom Gerüst zum Lenkrad habe ich mit dem Winkelschleifer einen Keil aus dem Rohr geschnitten und das Rohr anschließend gebogen. So entsteht eine saubere Kante (siehe Bild). Nicht alle Einzelteile sind auf diesen Bildern zu sehen, die übrigen siehst du später bei den Schweißarbeiten.
3.2 Schweißen und Glattschleifen
Um Höhe und Länge zu prüfen, habe ich einen Autositz als Modell hingestellt und Probe gesessen. Den Sitz hatte ich aus meinem Auto ausgebaut, weil der neue Sportsitz noch nicht da war. Auf den Bildern fehlt das Untergestell für den Sitz: Der Sitz wird auf ein Gestell geschraubt, das sich nach vorne und hinten schieben lässt. So kannst du den Abstand zu den Pedalen einstellen.
Nachdem alles zugeschnitten war, ging es ans Schweißen, natürlich im Freien. Mein Vater hatte schon Erfahrung mit dem Schweißen und hat die meisten Nähte gesetzt, während ich die Kamera gehalten habe. Einen Teil habe ich auch selbst geschweißt. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen, sieh dir am besten die Bilder an.
Die Schweißnähte habe ich mit dem Winkelschleifer glattgeschliffen und dabei auch die Schlacke entfernt.
Weil ich für die inneren Vierkantrohre zu dünnes Material gewählt hatte, war das Schweißen dort nicht ganz einfach. Auf dem Bild siehst du, dass das dünne Material immer wieder durchgeschmolzen ist. In der Materialliste oben findest du deshalb das etwas stärkere Rohr mit 2 mm. Mit Geduld und viel Fingerspitzengefühl haben wir auch das hinbekommen.
Auf diesem Bild siehst du den Unterbau des Rennsitzes. Als Auflage für den Sitz habe ich zwei dünne Bleche angeschweißt, damit sich der Sitz an den vorgesehenen Stellen festschrauben lässt. Als Abstandshalter zwischen den Blechen und dem Grundgerüst dienen vier hochkant angeschweißte Vierkantrohre.
Auch an das kurze Rohrstück, an dem das Lenkrad befestigt wird, habe ich ein Blech geschweißt. Als Vorlage diente genau die Auflagefläche des Lenkrads. So konnte ich die Befestigungspunkte exakt abstimmen.
Zusätzlich habe ich eine Halterung für die Gangschaltung eingebaut. Die Details lasse ich hier weg, sonst wird die Anleitung zu lang. Wenn du bis hierhin gekommen bist, sei kreativ und bau dir deine eigene Halterung. Auf den Bildern des fertigen Playseats weiter unten kannst du dir etwas abschauen.
Auf den Bildern ist nicht zu erkennen, wo und wie die Muttern für die Sterngriffschrauben sitzen: An den entsprechenden Stellen habe ich Löcher in die Vierkantrohre gebohrt und die passende Mutter darüber aufgeschweißt. Zum Fixieren eignet sich eine Gripzange*. Sobald der erste Schweißpunkt sitzt, kannst du die Zange abnehmen. Die Positionen der Sterngriffschrauben sind in der Zeichnung oben rot markiert. Auch hier musst du dich nicht streng an meine Vorgaben halten.
4. Gerüst lackieren
Sind alle Teile verschweißt, die Schlacke entfernt und die Nähte geglättet, kannst du das Lackieren vorbereiten.
Fang klassisch mit einer Grundierung an. Sie gleicht letzte Unebenheiten aus und gibt der Farbe einen guten Untergrund. Für größere Löcher eignet sich Spritzspachtel. Halte zwischen den Durchgängen die Trockenzeiten ein. Wiederhole Grundieren und Schleifen so lange, bis die Fläche vollkommen glatt ist. Stellen, die später ohnehin nicht zu sehen sind, habe ich weniger gründlich bearbeitet, das hätte sich nicht gelohnt.
Wenn alle Teile grundiert, getrocknet und frei von Schmutz und Fett sind, folgt die Hauptfarbe. Wie man eine Sprühdose führt, erkläre ich hier nicht, dazu gibt es viele gute Anleitungen auf YouTube.
Zum Trocknen habe ich die Teile in die Wohnung gebracht, weil sich draußen gern Insekten auf frisch lackierte Flächen setzen. Außerdem war mir das Risiko zu groß, dass es anfängt zu regnen.
5. Einzelteile montieren
Nachdem alle Teile getrocknet waren, habe ich die Sterngriffschrauben montiert und alle Teile miteinander verschraubt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Zum Schluss werden Lenkrad, Pedale und gegebenenfalls die Gangschaltung verkabelt. Bei mir war das Kabel vom Lenkrad zur Gangschaltung zu kurz, also habe ich eine Verlängerung bestellt. Das war kein Problem.
Für ein besseres Rennerlebnis habe ich die hinteren Lautsprecher meiner 5.1-Surround-Anlage direkt hinter den Playseat gestellt.
6. Fazit
Der Eigenbau war ein voller Erfolg. Es steckt viel Arbeit darin, aber jetzt ist der Playseat genau so, wie ich ihn haben wollte. Wie eingangs gesagt, ging es mir nicht ums Geldsparen, sondern um den Spaß an der Arbeit und darum, am Ende sagen zu können: „Das habe ich selbst gebaut.“
Ich wünsche dir viel Erfolg und Spaß beim Bau deines eigenen Playseats.
Lieber fertig kaufen? Einen Überblick über fertige Rennsitze findest du auf der Startseite und in den Vorstellungen von Playseat Challenge und Playseat Evolution.