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Playseat selber bauen – Bauanleitung mit Fotos

In dieser Anleitung zeige ich dir, wie ich meinen Playseat selbst gebaut habe. Ich gehe auf die wichtigsten Fragen ein und habe versucht, kein Detail auszulassen. Sicher lässt sich hier und da noch etwas verbessern, im Vordergrund stand der Spaß. Die Anleitung hat sechs Kapitel.

1. Vorbereitung

Bevor du loslegst, mach dir einen Plan und beantworte diese Fragen:

Als Erstes habe ich eine Skizze gezeichnet, wie der Playseat aussehen soll. Das Bild zeigt meine Originalzeichnung. Als Vorbild diente mir ein anderer selbst gebauter Playseat, den ich auf einem Foto im Internet gefunden hatte (die Quelle habe ich leider nicht mehr).

Handgezeichnete Skizze des Playseat-Eigenbaus mit Seitenansicht, Ansicht von oben und groben Planmaßen
Meine Originalskizze mit den groben Planmaßen. Verbaut habe ich am Ende M14-Schrauben (siehe Materialliste).

Die Fragen habe ich für mich so beantwortet:

1.1 Wie soll der fertige Rennsitz aussehen?

Siehe Skizze: Ich habe mir im Internet ein ähnliches Modell ausgesucht und nachgezeichnet. Wichtig war mir, dass keine Stange zwischen den Beinen verläuft. Deshalb habe ich eine Bauform gewählt, bei der die Lenkradhalterung hinter den Pedalen endet, wie bei einigen fertigen Fahrsimulator-Cockpits. Bei den meisten fertigen Playseats sitzt die Lenkradhalterung dagegen zwischen den Beinen, etwa beim Playseat Evolution. Im Nachhinein hat sich gezeigt, dass mich eine solche Halterung nicht stört.

1.2 Welche Materialien möchte ich verwenden?

Zur Wahl standen Stahl, Aluminium und Holz. Ich wollte einen stabilen, belastbaren Playseat und habe mich für ein Gerüst aus Stahl entschieden. Stahl ist im Vergleich zu Holz nahezu unverwüstlich und lässt sich leichter schweißen als Aluminium. Für Aluminium braucht man ein spezielles Schweißgerät, das den Rahmen des Projekts gesprengt hätte. Aluminium zu verschrauben wäre möglich gewesen, das war mir aber zu unflexibel. Außerdem sieht ein geschweißter Rahmen besser aus, und das Schweißen macht Spaß.

1.3 Wie viel Aufwand möchte ich reinstecken?

Spaß und Ergebnis waren mir wichtiger als die Kosten, eine möglichst kurze Bauzeit war kein Ziel. Geplant hatte ich höchstens 20 Stunden. Weil ich sehr perfektionistisch bin, hat der Eigenbau am Ende gut 30 Stunden gedauert.

1.4 Brauche ich einen verstellbaren Sitz?

Ja, das war mir besonders wichtig. Der Sitz sollte nicht nur für mich passen, sondern auch für Freunde, die zu Besuch kommen und unterschiedlich groß sind. Deshalb sollte der Rennsitz in Höhe und Länge verstellbar sein.

2. Einkauf von Material und Werkzeug

Für den Rennsitz brauchst du einige wenige Werkzeuge und etwas Material. Hier stelle ich dir vor, was ich verwendet habe, und nenne Beispiele, die es heute zu kaufen gibt.

2.1 Werkzeug: Winkelschleifer und Schweißgerät

Das Werkzeug haben viele Hobbyhandwerker schon zu Hause: vor allem einen Winkelschleifer (umgangssprachlich „Flex“) und ein Schweißgerät. Ich hatte beides schon und musste nichts neu kaufen. Falls dir etwas fehlt: Geeignet ist ein Winkelschleifer für Scheiben mit 125 mm Durchmesser, zum Beispiel der Bosch-Winkelschleifer GWS 12-125*, und ein kompaktes Elektrodenschweißgerät (Inverter), zum Beispiel das GYS GYSMI 160P*. Für die Löcher der Sterngriffschrauben brauchst du außerdem eine Bohrmaschine mit Metallbohrern.

2.2 Material

2.2.1 Sitz

Das Wichtigste am Playseat ist, wie der Name schon sagt, der Sitz. Ich habe mir einen handelsüblichen Sportsitz gekauft und dabei auf vier Punkte geachtet: Optik, Komfort, Material und Funktion. Über die Optik lässt sich streiten. Beim Komfort wollte ich das Gefühl haben, in einem echten Rennsitz zu sitzen. Als Bezug kam für mich nur Kunstleder in Frage. Am wichtigsten war mir die Funktion, also die Verstellmöglichkeiten, vor allem eine verstellbare Rückenlehne: Jeder bevorzugt eine andere Sitzposition, und bei einem langen Rennen tut es gut, die Position zwischendurch zu ändern.

2.2.2 Zubehör für Winkelschleifer und Schweißgerät

Für den Winkelschleifer brauchst du Trennscheiben für Stahl, zum Beispiel PFERD-Trennscheiben 125 × 1,0 mm, 10 Stück*. Ich bevorzuge extradünne Scheiben (1,0 mm) mit großem Durchmesser (125 mm), weil man damit feiner arbeiten kann. Dazu kommt eine Fächerschleifscheibe, mit der du die Schweißnähte später sauber abschleifst, zum Beispiel ein Bosch-Set Fächerschleifscheiben 125 mm für Stahl*.

Für das Elektrodenschweißgerät brauchst du passende Elektroden. Ich habe 2,0 mm dicke und 300 mm lange Elektroden im Baumarkt gekauft. Online gibt es sie zum Beispiel als GYS-Rutil-Elektroden 2 mm, 50 Stück*.

2.2.3 Rahmen aus Vierkantrohr

Zwei ineinandergesteckte Vierkantrohre im Baumarktregal: 40 × 25 mm außen, 35 × 20 mm innen
Das kleine Rohr läuft mit etwa 1 mm Spiel im großen.

Für den Rahmen aus Stahl brauchst du Rechteckrohre (Vierkantrohre). Ich habe im Baumarkt ausprobiert, welche Profile am besten ineinanderpassen, und mich für 40 × 25 × 2 mm entschieden, zum Beispiel als Stahl-Rechteckrohr 40 × 25 × 2 mm, 2 m*. Als Schiene für die Verstellung dient das nächstkleinere Rohr mit 35 × 20 mm, das im großen Rohr läuft.

Wichtig: Ich hatte für die Schiene Rohr mit 1,5 mm Wandstärke genommen. Im Nachhinein wäre die Variante mit 2 mm besser gewesen, zum Beispiel Rechteckrohr 35 × 20 × 2 mm, 1 m*, denn das dünne Material machte beim Schweißen Probleme. Die beiden Profile passen gut zusammen (siehe Bild), das Spiel von etwa 1 mm war ideal. Vom großen Rohr brauchst du etwa 4 m, vom kleinen innenliegenden Rohr etwa 2 m.

2.2.4 Kleinteile und Lack

Außerdem brauchst du einige Kleinteile: Sechskantschrauben (10 × M14, 30 mm), Muttern (8 × M14), Sterngriffschrauben (4 × M14), Rohrstopfen für die offenen Rohrenden (8 Stück), Schleifpapier (Körnung 400 und 2000), Grundierung (1 Sprühdose), Lack (2 Sprühdosen, bei mir schwarz glänzend) und eine Gripzange als Helfer beim Schweißen. Für die Sitzauflage und die Lenkradplatte kommt noch etwas dünnes Stahlblech dazu.

2.3 Einkaufsliste

Hier ist alles noch einmal zusammengefasst. Die verlinkten Produkte sind Beispiele, vieles bekommst du genauso im Baumarkt. Preise ändern sich, den aktuellen Preis siehst du bei Amazon.

Artikel Menge und Ausführung Beispiel / Bezug
Sportsitz (Rennsitz) 1 Stück, mit verstellbarer Rückenlehne Kfz-Zubehör
Elektrodenschweißgerät kompakt, Inverter GYS GYSMI 160P*
Elektroden Rutil, 2,0 mm GYS Rutil 2 mm, 50 Stück* oder Baumarkt
Winkelschleifer für 125-mm-Scheiben Bosch GWS 12-125*
Trennscheiben 125 × 1,0 mm, für Stahl PFERD, 10 Stück*
Fächerschleifscheibe 125 mm, für Stahl Bosch-Set, 15 Stück*
Rechteckrohr groß 40 × 25 × 2 mm, etwa 4 m Stahlrohr 2 m* (2 Stück) oder Baumarkt
Rechteckrohr klein 35 × 20 × 2 mm, etwa 2 m Stahlrohr 1 m* (2 Stück) oder Baumarkt
Rohrstopfen (Lamellenstopfen) 40 × 25 mm, 8 Stück emico, 10 Stück*
Sechskantschrauben 10 × M14, 30 mm Baumarkt
Muttern 8 × M14 Baumarkt
Sterngriffschrauben 4 × M14 Baumarkt
Stahlblech dünn, für Sitzauflage und Lenkradplatte Baumarkt
Schleifpapier Körnung 400 und 2000 Baumarkt
Grundierung 1 Sprühdose Baumarkt
Sprühlack 2 Sprühdosen Baumarkt
Gripzange 1 Stück GEDORE Gripzange*

3. Zuschneiden und Schweißen

3.1 Vierkantrohre ausmessen und zuschneiden

Als Nächstes werden die Vierkantrohre zugeschnitten und miteinander verschweißt. Ich habe nach der Skizze und nach Augenmaß zugeschnitten und möchte dir deshalb keine strikten Maße vorgeben. Die Zeichnung unten zeigt, wie das Gerüst aufgebaut ist: links der Bodenrahmen von oben, rechts die Halterung für Lenkrad und Pedale von der Seite. Die roten Punkte markieren die Sterngriffschrauben, mit denen du Länge und Höhe verstellst.

Die Rohre habe ich mit dem Winkelschleifer und einer Trennscheibe geschnitten. Mach das im Freien und dort, wo die Funken keinen Schaden anrichten können.

Für das Verbindungsstück vom Gerüst zum Lenkrad habe ich mit dem Winkelschleifer einen Keil aus dem Rohr geschnitten und das Rohr anschließend gebogen. So entsteht eine saubere Kante (siehe Bild). Nicht alle Einzelteile sind auf diesen Bildern zu sehen, die übrigen siehst du später bei den Schweißarbeiten.

Zeichnung des Gerüsts: links der Bodenrahmen von oben, rechts die Lenkrad- und Pedalhalterung von der Seite; rote Punkte markieren die Sterngriffschrauben
Aufbau des Gerüsts, rot markiert: die Sterngriffschrauben
Vierkantrohr mit keilförmigem Einschnitt, zu einer sauberen Ecke gebogen
Keil herausgeschnitten und gebogen: das Verbindungsstück zum Lenkrad
Zugeschnittene Vierkantrohre für Bodenrahmen und Lenkradarm, auf einem Teppich ausgelegt
Zuschnitte für Bodenrahmen und Lenkradarm

3.2 Schweißen und Glattschleifen

Ausgelegte Rahmenteile mit einem ausgebauten Autositz zum Probesitzen
Probesitzen mit dem Autositz als Platzhalter

Um Höhe und Länge zu prüfen, habe ich einen Autositz als Modell hingestellt und Probe gesessen. Den Sitz hatte ich aus meinem Auto ausgebaut, weil der neue Sportsitz noch nicht da war. Auf den Bildern fehlt das Untergestell für den Sitz: Der Sitz wird auf ein Gestell geschraubt, das sich nach vorne und hinten schieben lässt. So kannst du den Abstand zu den Pedalen einstellen.

Nachdem alles zugeschnitten war, ging es ans Schweißen, natürlich im Freien. Mein Vater hatte schon Erfahrung mit dem Schweißen und hat die meisten Nähte gesetzt, während ich die Kamera gehalten habe. Einen Teil habe ich auch selbst geschweißt. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen, sieh dir am besten die Bilder an.

Gartentisch als Werkplatz mit Rahmenteilen, Winkelschleifer, Gripzange und Schweißgerät
Werkplatz im Freien
Schweißen einer Rohrverbindung am Rahmen mit hellem Lichtbogen und Funkenflug, dahinter das Schweißgerät
Die erste Naht
Schweißarbeiten in der Dämmerung mit Schweißhelm, Funken auf dem Werktisch
Schweißarbeiten am Abend
Kreuzförmiges Rahmenteil mit senkrecht angeschweißtem Rohr, abgestellt im Schnee
Kreuzstück mit senkrechtem Rohr

Die Schweißnähte habe ich mit dem Winkelschleifer glattgeschliffen und dabei auch die Schlacke entfernt.

Glattgeschliffene Schweißnaht an der Verbindung zweier Vierkantrohre
Naht glattgeschliffen
Geschliffene Schweißverbindung am Rahmen in Nahaufnahme
Verbindung nach dem Schleifen
Schweißstelle am dünnwandigen inneren Rohr, an der das Material durchgeschmolzen ist
Das dünne Rohr schmilzt schnell durch.

Weil ich für die inneren Vierkantrohre zu dünnes Material gewählt hatte, war das Schweißen dort nicht ganz einfach. Auf dem Bild siehst du, dass das dünne Material immer wieder durchgeschmolzen ist. In der Materialliste oben findest du deshalb das etwas stärkere Rohr mit 2 mm. Mit Geduld und viel Fingerspitzengefühl haben wir auch das hinbekommen.

Auf diesem Bild siehst du den Unterbau des Rennsitzes. Als Auflage für den Sitz habe ich zwei dünne Bleche angeschweißt, damit sich der Sitz an den vorgesehenen Stellen festschrauben lässt. Als Abstandshalter zwischen den Blechen und dem Grundgerüst dienen vier hochkant angeschweißte Vierkantrohre.

Auch an das kurze Rohrstück, an dem das Lenkrad befestigt wird, habe ich ein Blech geschweißt. Als Vorlage diente genau die Auflagefläche des Lenkrads. So konnte ich die Befestigungspunkte exakt abstimmen.

Zusätzlich habe ich eine Halterung für die Gangschaltung eingebaut. Die Details lasse ich hier weg, sonst wird die Anleitung zu lang. Wenn du bis hierhin gekommen bist, sei kreativ und bau dir deine eigene Halterung. Auf den Bildern des fertigen Playseats weiter unten kannst du dir etwas abschauen.

Auf den Bildern ist nicht zu erkennen, wo und wie die Muttern für die Sterngriffschrauben sitzen: An den entsprechenden Stellen habe ich Löcher in die Vierkantrohre gebohrt und die passende Mutter darüber aufgeschweißt. Zum Fixieren eignet sich eine Gripzange*. Sobald der erste Schweißpunkt sitzt, kannst du die Zange abnehmen. Die Positionen der Sterngriffschrauben sind in der Zeichnung oben rot markiert. Auch hier musst du dich nicht streng an meine Vorgaben halten.

4. Gerüst lackieren

Sind alle Teile verschweißt, die Schlacke entfernt und die Nähte geglättet, kannst du das Lackieren vorbereiten.

Fang klassisch mit einer Grundierung an. Sie gleicht letzte Unebenheiten aus und gibt der Farbe einen guten Untergrund. Für größere Löcher eignet sich Spritzspachtel. Halte zwischen den Durchgängen die Trockenzeiten ein. Wiederhole Grundieren und Schleifen so lange, bis die Fläche vollkommen glatt ist. Stellen, die später ohnehin nicht zu sehen sind, habe ich weniger gründlich bearbeitet, das hätte sich nicht gelohnt.

Wenn alle Teile grundiert, getrocknet und frei von Schmutz und Fett sind, folgt die Hauptfarbe. Wie man eine Sprühdose führt, erkläre ich hier nicht, dazu gibt es viele gute Anleitungen auf YouTube.

Grundierte Rahmenteile hängen zum Trocknen im Garten
Grundierte Teile beim Trocknen
Grundiertes Gerüstteil mit Lenkradarm auf dem Gartentisch
Gerüstteil nach dem Grundieren
Schwarz lackiertes Gerüstteil trocknet in der Wohnung
Trocknen in der Wohnung
Schwarz glänzend lackierter Sitzunterbau, an eine Gartenhütte gelehnt
Sitzunterbau in Schwarz glänzend
Gartentisch mit lackierten Rahmenteilen, die mit Pflastersteinen beschwert sind
Lackieren im Garten

Zum Trocknen habe ich die Teile in die Wohnung gebracht, weil sich draußen gern Insekten auf frisch lackierte Flächen setzen. Außerdem war mir das Risiko zu groß, dass es anfängt zu regnen.

5. Einzelteile montieren

Nachdem alle Teile getrocknet waren, habe ich die Sterngriffschrauben montiert und alle Teile miteinander verschraubt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Zum Schluss werden Lenkrad, Pedale und gegebenenfalls die Gangschaltung verkabelt. Bei mir war das Kabel vom Lenkrad zur Gangschaltung zu kurz, also habe ich eine Verlängerung bestellt. Das war kein Problem.

Fertiger selbst gebauter Playseat mit schwarz-rotem Sportsitz, Lenkrad und Pedalen im Wohnzimmer
Der fertige Playseat

Für ein besseres Rennerlebnis habe ich die hinteren Lautsprecher meiner 5.1-Surround-Anlage direkt hinter den Playseat gestellt.

Selbst gebauter Playseat mit Lenkrad vor dem Fernseher, auf dem ein Rennspiel läuft
Bereit für das erste Rennen

6. Fazit

Der Eigenbau war ein voller Erfolg. Es steckt viel Arbeit darin, aber jetzt ist der Playseat genau so, wie ich ihn haben wollte. Wie eingangs gesagt, ging es mir nicht ums Geldsparen, sondern um den Spaß an der Arbeit und darum, am Ende sagen zu können: „Das habe ich selbst gebaut.“

Ich wünsche dir viel Erfolg und Spaß beim Bau deines eigenen Playseats.

Lieber fertig kaufen? Einen Überblick über fertige Rennsitze findest du auf der Startseite und in den Vorstellungen von Playseat Challenge und Playseat Evolution.